Aufbau und Organisation der Wache

Im Jahr 1901 reichten mehrere junge Bücker Bürger einen Antrag auf die Zulassung einer eigenen Gruppe beim Schützenfest und Bürgerschießen ein. Dies wird allgemein als Gründungsdatum der Bücker Wache gewertet, die fortan – sozusagen - als ( inoffizielles ) fünftes Rott ihre Rolle im Schützenwesen übernahm.

Die Mitglieder der Wache wurden bei der Generalversammlung gewählt oder bestimmt. Im Jahre 1905 wurde es dann aber dem Wachhabenden überlassen, die Mitglieder der Wache auszuwählen. Über den genauen Grund, warum die jungen Männer gesondert teilnehmen wollten, kann nur gemutmaßt werden, da keinerlei genaue Überlieferungen vorhanden sind. Es mag deshalb sein, dass die jungen ein Gegengewicht zu den älteren Herren im Schützen-verein bilden wollten bzw. dass die Gründer schon vorher befreundet waren und nicht auf die Rotts aufgeteilt werden wollten, um mit ihren Altersgenossen gemeinsam zu feiern. Vielleicht ein nicht zu verachtender Beweggrund, denn bis heute rekrutiert sich der Schützennachwuchs des Corps hautsächlich über die Wache. Denn anders als die vier etablierten Rotts basierte die Wache nie auf der Zuordnung von Ortsteilen, sondern war - wie heute - stets ein dorfweiter Verbund junger Männer.

Vor dem Zweiten Weltkrieg verfügte sogar das Kinderschützenfest über eine eigene Wache. Im Jahr 1938 übte Heinz Otte als „Kinderwachhabender“ schon einmal für seine langjährige spätere Tätigkeit als Wachhabender. Nach dem Weltkrieg wurde dieser Schützenfestbrauch jedoch abgeschafft.

In den ersten Jahren nach dem 2. Weltkrieg übte die Wache ihre Präsentiergriffe im Bürgerholz, dann ein paar Jahre auf dem Sportplatz und zwischendurch sogar auf einer Weide hinter dem Schießstand, wie sich die ehemaligen Wachmitglieder erinnert haben. In den Jahren nach dem Krieg verstarb auch überraschend und plötzlich einer der Ex-Wachhaben-den, leider nicht zu Haus, aber doch nahe genug dran, um im Stuhl über die Straße nach Hause getragen zu werden und seinen „Todesort“ so zu verlegen.

Als Nachkriegsneuerung wurde 1957 (laut H. Otte) auch das Rollmopsessen auf dem Hof des Edeka-Supermarktes eingeführt, welches heuer vielleicht zum letzten Mal stattfindet.

Ein anderes Brauchtum fand sein Ende schon in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre.  Bis dahin  wurde die Fahne am Sonntagabend  um 18.00 Uhr durch den Spielmannszug  und die Wache zum Ratskeller zurück gebracht, an jeder Gasstätte wurde dabei ein „kurzer“ Boxenstop eingelegt. Auf Druck der Ehefrauen wurde dieses jedoch eingestellt, da die Wache erst gegen 22.00 Uhr wieder am Hestern eintraf. Fast alle Wachkameraden waren spätestens dann endgültig bedient und ersehnten sich ihr Bett herbei. Heute allerdings hat sich die gastronomische Situation in Bücken so verändert, dass die Kameraden auf dem Weg in die wenigen Gaststätten allenfalls noch ausnüchtern würden.

Aber nicht nur die Kneipenstruktur änderte sich über die Jahre, sondern auch die Gewohn-heiten bei den Wachabenden.  So erinnert sich Karl-Heinz Krebs daran, dass der erste Wachabend nur bei Papenhausen abgehalten und kein Ortswechsel vorgenommen wurde, da die Musikbox ein zu großer Anziehungspunkt war und die Kameraden nicht von ihr fortzukommandieren waren.

Dafür wurden laut K. H. Krebs in den Nachkriegsjahren auch Spiele an den Wachabenden durchgeführt, so z.B. Wäscheklammern drücken oder Bierdeckel am ausgestreckten Arm halten. Sieger wurde, wer dieses am längsten aushielt.

Heute dagegen werden drei bis vier Stationen pro Wachabend „abgearbeitet“. Der damalige Wachhabende Krebs hatte sich bei Habermann dann folgerichtig auch nur Wasser ins Schluckglas gießen lassen, damit er den Ortswechsel noch klar kommandieren und die Wache auf dem richtige Weg führen konnte. Auch dieser Brauch wurde auf dem Altar des Fortschritts geopfert und so kam es Mitte der neunziger Jahre unter einem neuen Wachhabenden zu manchem Befehlskuriosum.

Aber es entwickelte sich in der Folge auch die interne Organisation der Wache, deren neugeschaffene Posten den Wachhabenden entlasteten. So gab es bis zum Wachhabenden Heinz Otte nur den Posten des Wachhabenden selber. Er führte den Posten des Kassierers ein, der die Finanz- und Strafgeldverwaltung übernahm. Naheliegenderweise wurde Harry Truderung zum ersten Kassierer erwählt.

Neben dem Wachhabenden setzte Heinz Otte in Person von Herbert Harms den ersten stellvertretenden Wachhabenden ein. Der Vorsänger dagegen wurde erstmals in der Amtszeit des Otte Nachfolgers Ernst-August Habermann bestimmt, der auch den Achterclub zur Vernichtung der Restbestände einführte. Damit ist der heutige Aufbau der Wache schon skizziert. Dem derzeitigen Wachhabenden steht der Stellvertreter zur Seite, das Finanzielle regelt der Kassierer und den richtigen Ton gibt der Vorsänger an.

Die Dienste der Wache umschrieb E.A. Habermann folgendermaßen:

„Ihr Dienst unter Mithilfe und musikalischer Unterstützung des Spielmannszuges ist sehr mannigfaltig geworden und mit wenig Schlaf und viel Alkoholkonsum während der Festtage verbunden. Damit diese Tage entsprechend gut überstanden werden können, wird in den Wochen vor den Festen nicht nur geübt zackig marschieren zu können und Gewehr- Präsentiergriffe zu beherrschen, sondern auch in kameradschaftlicher Geselligkeit versucht, dem Alkoholkonsum während der Festtage entsprechend begegnen zu können.“ Die Wache verfügt seit Beginn der neunziger Jahre über durchschnittlich 25 Wachsoldaten.

Die Spitze von 33 Mitgliedern wurde 1997 erreicht, laut Erinnerung ist die Wache damit wesentlich größer als früher. Damals nahmen durchschnittlich 16-18 Mitglieder teil, in Spitzen ab und an 20. In Höchstzeiten waren also sowohl Wachlokal als auch manche Kneipe bis an die Belastungsgrenzen gefüllt.

Traditionsgemäß nahm die Wache bis 1982 nur an Bürgerschießen und Schützenfesten teil. Ein Umstand, der die jungen Männer wohl etwas betrübt haben dürfte, bedeutete er doch den Verzicht auf die Anwesenheit der Ehrendamen.

Bis 1989 war der Königsball am Freitag und der Jugendball am Samstag, so dass viele aktive Schützen nach dem anstrengen Königsschießen nur mühsam den Weg auf das Festzelt gefunden haben. Ganz zu schweigen von denen, die dann immerhin mehr als 24 Stunden im Dienst gestanden hatten.

Große Ehre wurde der Wache auch im neuen Jahrtausend zuteil, da Jens Habermann (König Jens) aus der Wache heraus den Titel des Bürgerkönigs errang und sich nur knapp im zähen Ringen gegen seinen Mitstreiter Thorsten Grupe (ebenfalls aus der Wache) durchsetzte.

Wir wünschen unseren zukünftige Kameraden ebensoviel Spaß, wie wir ihn haben.

                                                                         Jan - Dirk Lücke          

Quelle: Kapitel "Aufbau und Organisation der Wache" von Jan-Dirk Lücke aus der Wachchronik "Hundert Jahre Bücker Wache"